Von Julian Zahnd. Aktualisiert am 16.08.2012
Am Anfang seiner Karriere spielte der World-Music-Gitarrist Pierre Bensusan am 1. Folkfestival auf dem Gurten. 35 Jahre später kehrt der «brillanteste Veteran der Szene» nach Bern zurück.
Pierre Bensusan
Pierre Bensusan ist ein World-Music-Gitarrist aus Frankreich. In den 70er Jahren startete er seine Karriere in der Schweiz, seitdem spielt er seine träumerischen Jazz-, Klassik- und Folkmelodien in allen Winkeln der Welt, meistens solo, begleitet von akustischer Gitarre und Gesang. Am Sonntag, 19. August, um 20.00 Uhr spielt der 55-Jährige im Berner Musigbörse- Wörkshophus (Rosenweg 37) sein einziges Schweizer Konzert. Anmeldung erforderlich: info.bern@musigboerse.ch oder Tel.: 031 382 28 32.
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Herr Bensusan, Sie gaben in Bern schon einmal ein Konzert, nämlich 1977 am 1. Folkfestival Bern-Gurten. Welche Erinnerungen an den Event haben Sie?
Das ist eine ganze Weile her, ich war damals 19 Jahre alt und begann gerade meine Karriere als Profimusiker. Ich erinnere mich vor allem an die Jamsessions. Die meiste Zeit sass ich im Hotelzimmer und spielte mit anderen Musikern, Stunde um Stunde. Doch auch ein unschönes Erlebnis hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: Während der Hinfahrt mit dem Auto – es war stockdunkel – überfuhr ich ein Wildtier. Das hat mich geprägt, noch heute fahre ich sehr vorsichtig.
35 Jahre später sind Sie nun erneut in der Schweiz. Sie spielen ein einziges Konzert in Bern: jenes im Wörkshophus, einem Lokal, das kaum ein Berner kennt. Ist das angemessen für einen Musiker wie Sie, der von der «L. A. Times» erst kürzlich als einer der brillantesten Veteranen der Szene gewürdigt wurde?
Ich mag es, auf kleinen Bühnen im intimen Rahmen aufzutreten. Oft spiele ich in spezieller, antiker Umgebung, etwa in Schlössern oder Höfen, an Orten mit guter Akustik. Nach Bern holt mich dieses Jahr eine alte Bekanntschaft: Eines Tages kontaktierte mich Wörkshophus-Veranstalter Hans-Ruedi Egli, der 1977 auch das Folkfestival auf dem Gurten organisiert hatte, und fragte mich an für ein Konzert. Ich konnte das Datum gut in meine Tournee einbetten und bespiele nun zwischen Frankreich und Deutschland spontan Bern.
Bereits mit Ihrer ersten CD, die Sie im Alter von 17 Jahren herausgegeben hatten, heimsten Sie eine Auszeichnung ein, und der Erfolg hält bis heute unvermindert an. Wie gewinnen Sie das Publikum für sich?
Ein Rezept gibt es nicht. Oder zumindest kenne ich es nicht. Ich kann nur sagen: Ich liebe es, für Leute zu spielen, meine Musik zu teilen, sie zu schreiben. Ich liebe das Reisen und das ganze Musikerleben, in dem man sich immer wieder hinterfragen muss, in dem alles unsicher ist. Vielleicht spürt das Publikum diese Leidenschaft. Ich erzähle auf der Bühne meine Geschichte, die sich fortlaufend weiterentwickelt. Viele meiner Zuhörer sind sehr loyal, einige begleiten mich seit Karrierebeginn, um die Entwicklung dieser Geschichten mitzuverfolgen.
Musik und auch Bilder von Ihnen legen folgenden Schluss nahe: Sie verbringen Ihr Leben alleine mit Ihrer Gitarre. Fühlt man sich da auf der Bühne nicht einsam?
Ich verstehe meine Musik als orchestral, das heisst vielstimmig, weshalb ich mich nicht alleine fühle. Und natürlich habe ich die Bühne auch schon mit anderen Musikern geteilt. Erst seit ein paar Jahren konzentriere ich mich auf Soloauftritte, auf die akustische Gitarre und den Gesang. Den Vorteil am Solospiel sehe ich darin, dass man näher bei den Leuten ist und sie in grösseres Erstaunen versetzen kann.
Europa, Asien, Nordafrika, Amerika: Sie sind auf der ganzen Welt unterwegs. Welche Destination fehlt?
In Shanghai war ich, nicht aber in der gigantischen chinesischen Hauptstadt Peking. Und zudem erhoffe ich mir, in der Schweiz erneut Fuss zu fassen. In den 70er- und 80er-Jahren spielte ich hier viele Konzerte. Dann nahmen sie ab, denn das Publikum wandelte sich, und viele Folk-Events verschwanden. (Der Bund)
Erstellt: 16.08.2012, 08:14 Uhr
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